Emeritierung von Prof. Dr. Ulrich Christensen

Der ehemalige MPS-Direktor leitet im Ruhestand die Emeritusgruppe „Das Innere der Planeten.“

16. März 2020

Prof. Dr. Ulrich Christensen, der seit 2002 die Abteilung „Planeten und Kometen“ des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) geleitet hat, ist in den Ruhestand getreten. Dem Institut bleibt der international renommierte Forscher jedoch auch nach seiner Emeritierung erhalten. Christensen ist weiterhin in wissenschaftliche Projekte und internationale Weltraummissionen eingebunden und setzt seine Forschung im Rahmen der Emeritusgruppe „Das Innere der Planeten“ fort. Eine feierliche Verabschiedung von Prof. Dr. Christensen steht noch aus. Ein entsprechendes Symposium, das für den 18. März geplant war, musste aufgrund der aktuellen Corona-Risikolage abgesagt werden, wird aber eventuell zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Prof. Dr. Ulrich Christensen

Seit dem Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn gilt das Hauptforschungsinteresse Prof. Dr. Ulrich Christensens den dynamischen Vorgängen im Erdmantel und im Erdkern. Dabei setzt er in erster Linie auf numerische Berechnungen, um die gewaltigen Materialumwälzungen, die sich dort vollziehen, zu simulieren und dadurch besser zu verstehen. In den vergangenen Jahren richtete er sein Augenmerk vor allem auf den Erdkern, wo so hohe Drücke und Temperaturen herrschen, dass die Hauptbestandteile Eisen und Nickel flüssig und elektrisch leitend sind. In riesigen Strömen steigen die Metalle noch oben, kühlen ab und sinken wieder hinab und werden zudem durch die Erddrehung verwirbelt. Durch das Zusammenspiel dieser Bewegungen entsteht das Magnetfeld der Erde in einer Art Dynamoprozess. 

Neben der Erde haben auch andere Himmelskörper ein globales Magnetfeld. Zu ihnen zählen etwa die Planeten Merkur, Jupiter und Saturn sowie einige Monde der Eisriesen. Christensen ging der Frage nach, warum diese Magnetfelder von so unterschiedlicher Stärke sind und konnte den Energiefluss im flüssigen Kern als entscheidende Größe identifizieren. Maßgeblich für solche Erkenntnisse sind auch Messdaten von Weltraummissionen, welche die Magnetfelder der Planeten und ihrer Monde aus der Nähe erforschen und an denen Christensen und das MPS beteiligt waren und sind. 

Unter der Leitung Christensens erlebten zahlreiche internationale Weltraummissionen, zu denen die Abteilung „Planeten und Kometen“ des MPS beitrug, ihre aktive und somit spannendste Phase. Dazu zählen etwa die Missionen Mars Express, Venus Express und Rosetta der Europäischen Weltraumagentur (ESA), die Missionen Phoenix und Dawn der amerikanischen Weltraumbehörde (NASA) sowie die gemeinsame ESA-NASA-Mission Cassini-Huygens. Wissenschaftliche Messinstrumente vom MPS untersuchten in dieser Zeit unter anderem die Planeten Mars, Venus und Saturn sowie die Asteroiden Vesta und Ceres und den Kometen Churyumov-Gerasimenko.

Nicht zuletzt wegen noch immer laufender Missionen setzt Christensen auch nach seiner Emeritierung seine Forschung am MPS fort. So liefert etwa die NASA-Mission InSight, zu der Christensen beiträgt, derzeit als erste Mission regelmäßig aussagekräftige seismische Daten von der Oberfläche des Mars. Mit ihrer Hilfe lässt sich der Frage nachgehen, warum sich unser Nachbarplanet so anderes entwickelte als die Erde und heute nur noch Reste eines Magnetfeldes aufweist. Die europäisch-japanische Raumsonde BepiColombo schwenkt erst 2025 in eine Umlaufbahn um ihren Zielplaneten Merkur ein; und die europäische Mission JUICE startet 2022 zu ihrem Ziel, dem Planeten Jupiter. Auch an der Auswertung dieser Daten ist Christensen beteiligt.

Prof. Dr. Ulrich Christensen hat an der Technischen Universität Braunschweig Physik studiert und dort promoviert. Im Rahmen seiner Habilitation an der Universität Mainz wandte er sich der Geophysik zu. Es folgten Forschungsaufenthalte in Tempe (Arizona, USA), Karlsruhe und Utrecht (Niederlande). 1992 nahm Christensen den Ruf ans Institut für Geophysik der Universität Göttingen an. Zehn Jahre später wurde er Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, das damals noch unter dem Namen Max-Planck-Institut für Aeronomie im benachbarten Katlenburg-Lindau beheimatet war. Zu den vielen Auszeichnungen und Ehrungen Christensens zählt der Gottfried-Wilhelm Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die er 1994 erhielt, sowie die August Love Medaille der Europäischen Geowissenschaftlichen Union und die Inge-Lehmann-Medaille der Amerikanischen Geophysikalischen Union.

Das ursprünglich für den 18. März geplante Symposium, mit dem das MPS Prof. Dr. Christensen feierlich verabschieden wollte, musste leider abgesagt werden. Hintergrund ist die aktuelle Risikolage durch den Corona-Virus. Das Symposium wird möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Die laufenden Projekte der bisherigen Abteilung „Planeten und Kometen“ werden weitergeführt. Bis ein Nachfolger Christensens seine Arbeit aufnimmt, steht MPS-Direktor Prof. Dr. Sami K. Solanki diesen Arbeitsgruppen kommissarisch vor.

Zur Redakteursansicht