SUNRISE: ein ballongetragenes Sonnenobservatorium. Start von ESRANGE bei Kiruna in Nordschweden im Juni 2013.

SUNRISE: ein ballongetragenes Sonnenobservatorium

Die Sonne mit neuen Augen: Der dritte Sunrise Flug im Juni 2022

Zwei extrem erfolgreiche Flüge im Jahr 2009 und 2013 des größten Sonnenobaservatoriums, das je den Erdboden verlassern hat, haben zu vielen neuen Entdeckungen geführt. Diese sind in über 100 wissenschaftlichen Publikationen in referierten Journalen veröffentlicht worden, und diese Zahl steigt weiterhin an. Ein internationales Konsortium unter der Führung des MPS mit Partnern aus den USA (Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory, Maryland, USA), Japan (National Astronomical Observatory of Japan, Tokyo, Japan), Spanien (Institue for Astrophysics in Andalucia, Granada, Spain) und Deutschland (Leibniz-Institut für Astrophysik, Freiburg) bauen derzeit ein komplett neues Sunrise. Eine neue Gondel und drei neue wissenschaftliche Instrumente werden spektakuläre Einblicke in die Höhenschichtung der Sonnenatmosphäre von der Photosphäre bis hin zur Chromosphäre gewähren. Sunrise-III wird im Juni 2022 fliegen.

SUNRISE ist ein ballongetragenes Sonnenobservatorium, das die grundlegenden physikalischen Prozesse des Magnetfeldes und der konvektiven Plasmaströmungen in der unteren Sonnenatmosphäre untersucht. Diese Prozesse sind entscheidend für unser Verständnis der magnetischen Aktivität der Sonne. Sie regeln auch den Energietransport vom Inneren der Sonne zu ihren äußeren Schichten, wo die Energie in Eruptionen und koronalen Massenauswürfen an den Weltraum abgegeben wird, was wiederum Auswirkungen auf die Erde hat. 

SUNRISE wurde für den Betrieb in der Stratosphäre ausgelegt, in einer Höhe von etwa 37 km. Damit entkommt das Observatorium dem störenden Einfluss der erdnahen Atmosphäre und kann gleichzeitig das Sonnenlicht auch im ultravioletten Bereich bis zu 200 nm Wellenlänge untersuchen. SUNRISE startet zur Zeit der Sonnenwende vom nördlichen Polarkreis und kann die Sonne so mehrere Tage lang ohne Unterbrechung beobachten. Dieses Konzept vereint die Vorteile einer Weltraummission – ungestörte Beobachtungen oberhalb der Atmosphäre – mit den Vorteilen der erdgebundenen Teleskope. Zusätzlich kann das Instrument nach seinem Flug geborgen und wieder instand gesetzt oder verbessert werden und danach erneut fliegen.

Das SUNRISE-Observatorium in Flugkonfiguration.  In der Mitte der Gondel ist der vordere achteckige Ring des Teleskops mit den Radiatoren zur Kühlung der Feldblende im Primärfokus zu sehen.  Oberhalb des Teleskops ist die Instrument-Plattform mit den wissenschaftlichen Instrumenten sichtbar.  Ein Reaktionsrad unter der oberen Brücke der Gondelstruktur wird zur Azimut-Ausrichtung des Telskops verwendet.  Im unteren Teil der Gondel werden die Kommunikationssysteme zusammen mit ihrem Energiesystem untergebracht. Die Hauptenergie für das Observatorium wird von den großen Solarzellen-Arrays auf beiden Seiten des Teleskops erzeugt.

SUNRISE ist bereits zwei Mal erfolgreich geflogen, im Juni 2009 und Juni 2013. Beide Flüge starteten von ESRANGE bei Kiruna in Nordschweden und dauerten mehrere Tage. Dabei konnte SUNRISE die Sonne sowohl im ruhigen (2009) als auch im aktiven Zustand (2013) untersuchen.

Derzeit wird der dritte Flug von Sunrise vorbereitet. Sunrise-3 wird im Juni 2022 mit komplett neuer post-fokus Instrumentierung von ESRANGE in Kiruna abheben.

Die Flugroute der beiden bisherigen SUNRISE-Flüge im Juni 2009 + 2013

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