ERC Advanced Grant für Sami K. Solanki

Direktor des Max-Planck-Institutes für Sonnensystemforschung gewinnt hoch dotierten Grant für sein Projekt zur Erforschung des solaren Magnetfeldes

18. April 2016

Jedes Jahr wählt der European Research Council (ERC) der Europäischen Union die vielversprechendsten Forschungsprojekte aus, um sie mit einem Advanced Grant zu fördern. Heuer hat Sami Solanki für sein Projekt "Das Solare Magnetfeld und sein Einfluss auf die solare Variabilität und Aktivität", kurz "SOLMAG", einen solchen prestigeträchtigen Grant erhalten. Etwa 2.5 Millionen Euro stehen somit in den kommenden 5 Jahren zur Erforschung der Sonne und ihres Magnetfeldes zur Verfügung. In dem ambitionierten Projekt werden Solanki und sein Team das komplexe Magnetfeld der Sonne in hoher zeitlicher sowie räumlicher Auflösung messen. Vergleiche mit modernsten Simulationen werden dann dazu beitragen, bisher ungelöste Fragen zum Einfluss kleinskaliger Magnetfelder auf die Aktivität der Sonne zu klären.

Kein anderes astronomisches Objekt hat einen so unmittelbaren Einfluss auf die Menschheit wie die Sonne. Die von ihr abgegebene Strahlung beeinflusst unsere Atmosphäre und unser Klima, und Masseauswürfe aus der Korona führen nicht nur zu Polarlichtern, sondern unter Umständen auch zu Störungen unserer Telekommunikationssysteme. Dennoch sind viele Phänomene auf der Sonnenoberfläche nicht ausreichend untersucht. Vor allem kleine Strukturen im Magnetfeld spielen eine wichtige Rolle bei der Steuerung der solaren Aktivität, doch sie entzogen sich durch ihre Kleinheit lange der Erforschung. Mit neuen leistungsstarken Instrumenten, an deren Entwicklung auch das Team um Sami Solanki beteiligt ist, soll das im Projekt SOLMAG nun geändert werden.

Das Sonnenteleskop GREGOR am Teide Observatorium auf Teneriffa wird unter Solankis Beteiligung mit neu entwickelten Instrumenten ausgestattet. Die verbesserte Empfindlichkeit soll detailliertere Messungen des Magnetfeldes ermöglichen.


Aus Simulationen weiß man, dass die Strukturen des solaren Magnetfelds auch eine Größe von deutlich unter 100 Kilometer haben können – eine im Vergleich zur Sonne mit Ihrem Durchmesser von über einer Million Kilometer verschwindend kleine Distanz, die nur mit den besten Instrumenten aufgelöst werden kann. Solche Instrumente sind zum Beispiel das Sonnenteleskop Gregor am Teide Observatorium auf Teneriffa (Spanien), an dem das MPS beteiligt ist. Es ermöglicht Beobachtungen der Sonnenoberfläche im sichtbaren und im infraroten Licht sowie die Erstellung von detaillierten Karten des solaren Magnetfeldes. Ein weiteres für das Projekt wichtiges Instrument ist der am MPS in Entwicklung befindliche Microlens Hyperspectral Imager (MiHI) der auf einem Sonnenteleskop auf La Palma installiert werden wird. Mit ihm sollen in Zukunft sogar 3D-Informationen rekonstruiert werden. Erste Tests des Prototyps sind bereits für dieses Jahr eingeplant.

Magnetfeldkarte eines Sonnenflecks, erstellt aus Daten des Weltraumteleskops Hinode. Das Sonnenteleskop Gregor soll in Zukunft solche Karten mit noch höherer Auflösung liefern. Es ist noch nicht vollständig geklärt wie Energie im Inneren eines Sonnenflecks transportiert wird. Auch diese Frage wird im durch den ERC geförderten Forschungsprojekt in Angriff genommen werden.


Die wissenschaftlichen Fragestellungen, die im Rahmen des Projektes mit den neuen Instrumenten geklärt werden sollen, betreffen unter anderem den Energietransport in Sonnenflecken, und die Mechanismen zur Aufheizung der Sonnenkorona. Diese ist mit etwa 1 Million Grad um ein Vielfaches heißer als die „nur“ etwa 6000 Grad heiße Sonnenoberfläche.

Projektleiter Sami K. Solanki


Sami K. Solanki hat an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich studiert und promoviert. Nach Forschungsaufenthalten in Schottland, den Niederlanden und Finnland wurde er 1999 Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (damals noch Max-Planck-Institut für Aeronomie). Seit 2001 ist er Titularprofessor an der ETH Zürich, seit 2003 Honorarprofessor an der Technischen Universität Braunschweig und seit 2009 Gastprofessor an der Kyung Hee Universität in Südkorea.

Insgesamt hat der ERC in dieser Runde 647 Millionen Euro an 277 Preisträger ausgeschüttet. Die Forschungsgebiete reichen dabei von den Naturwissenschaften über Ingenieurwissenschaften bis hin zu Sozial- und Geisteswissenschaften. ERC grants werden an Forscher aller Nationalitäten innerhalb Europas vergeben sowie an jene, die bereit sind für ihr Forschungsvorhaben nach Europa zu ziehen. Insgesamt haben 47 Deutsche in dieser Runde einen ERC grant gewonnen.

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