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Johannes Geiss wird 90 Jahre alt

Auswärtiges wissenschaftliches Mitglied des MPS feiert am 4. September 2016 seinen 90. Geburtstag.

4. September 2016

Johannes Geiss ist einer der Pioniere in der Erforschung unseres Sonnensystems und auswärtiges wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen. Seine wissenschaftliche Karriere begann er vor mehr als einem halben Jahrhundert an der Universität Göttingen. Weltweit in der Weltraumforschung bekannt wurde er in den späten 60er Jahren mit Messungen des Sonnenwinds, eines ständig von der Sonne ausgehenden Stroms von elektrisch geladenen Teilchen, der mit Instrumenten der Apollo-Missionen auf dem Mond gemessen wurde. Johannes Geiss war einer der wesentlichen Akteure bei der Definition des wissenschaftlichen Programms der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) und er ist heute Ehrendirektor des International Space Science Institute (ISSI) in Bern, zu dessen Gründungsvätern er gehört. Er setzt sich unermüdlich für die Förderung der Grundlagenforschung und ihre Umsetzung zum Nutzen der Gesellschaft ein. Am 4. September 2016 wurde er 90 Jahre alt.

Prof. Dr. Johannes Geiss Bild vergrößern
Prof. Dr. Johannes Geiss

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeiten von Johannes Geiss ist die Untersuchung der Zusammensetzung der Himmelskörper, um dadurch ihre Entstehung, Entwicklung und ihren heutigen Zustand besser zu verstehen. Bereits in den frühen 50er Jahren begann er seine wissenschaftliche Karriere mit einer Promotion in Physik an der Universität Göttingen bei dem späteren Nobelpreisträger Wolfgang Paul. Anschließend arbeitete er an den Universitäten Bern und Chicago und wurde zum Mitbegründer des sich damals entwickelnden Feldes der Isotopen-Geochronologie. Er arbeitete unter anderem an der Altersbestimmung von Meteoriten und an Isotopenanalysen in irdischen Erzgesteinen.

Astronaut Aldrin beim Ausrichten des Solar Wind Composition Experiments der Universität Bern auf dem Mond, das von Johannes Geiss maßgeblich mit entwickelt wurde. Bild vergrößern
Astronaut Aldrin beim Ausrichten des Solar Wind Composition Experiments der Universität Bern auf dem Mond, das von Johannes Geiss maßgeblich mit entwickelt wurde. [weniger]

Nach einem Aufenthalt an der University of Miami baute er seit den frühen 60er Jahren am Institut für Physik der Universität Bern ein Labor für extraterrestrische Forschung auf, das sich mit Untersuchungen von Meteoriten und Mondproben beschäftigte. Es folgten brilliante Experimente auf den Apollo-Missionen zum Mond, mit denen die Element- und Isotopenzusammensetzung der Edelgase im Sonnenwind gemessen wurde. Der Erfolg der Apollo-Experimente begründete den Ruf des Berner Physik-Instituts als weltweit herausragendes Institut in der Weltraumforschung und legte den Grundstein für viele weitere innovative und sehr erfolgreiche Weltraumexperimente. Mit ihnen wurde die Zusammensetzung der Materie in der Erdumgebung, der Sonne, der Planeten, der Kometen und des interstellaren Gases bestimmt. Diese Instrumente lieferten unter anderem die bisher umfangreichsten Messungen über die Zusammensetzung und den Ursprung des Sonnenwindes und über die Zusammensetzung der Sonne. 

Gemeinsam mit Kollegen an der University of Maryland wurden unter seiner Führung Flugzeitmassenspektrometer entwickelt, mit denen die Messung der Masse und der elektrischen Ladung von Plasmateilchen im Weltraum gelang. Diese haben die Plasmamessungen im Weltraum revolutioniert und kamen unter anderem auf der Mission Ulysses zum Einsatz, an der auch das MPS beteiligt war. Bereits früh hat Johannes Geiss begonnen, mit Wissenschaftlern des MPS zusammenzuarbeiten. Er ist seit 1982 auswärtiges wissenschaftliches Mitglied des MPS, und er war und ist auch heute noch an Weltraumexperimenten des MPS beteiligt.

Nach seiner Emeritierung setzte sich Johannes Geiss maßgeblich für die Gründung des International Space Science Institute (ISSI) in Bern ein. Er war einer der Gründungsdirektoren des ISSI, das sich heute zu einem weltweit anerkannten Ort zur Verbesserung internationaler Zusammenarbeit in der Weltraumforschung entwickelt hat. Geiss ist Ehrendirektor des ISSI. Er wurde mit der William Bowie Medaille der Amerikanischen Geophysikalischen Union und der Albert-Einstein-Medaille der schweizerischen Albert-Einstein-Gesellschaft für seine hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet.

So eindrucksvoll Geiss’ Beiträge zur Grundlagenforschung sind, so selbstlos setzt er sich für die Grundlagenforschung und für ihre Umsetzung zum Nutzen der Gesellschaft ein. Er war ein wesentlicher Akteur bei der Definition der Ziele und des gegenwärtigen wissenschaftlichen Programms der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) und des Weltraumforschungsprogramms der Schweiz. Sehr erfolgreich hat er internationale Weltraummissionen wie Ulysses, SOHO oder Cassini/Huygens vorangetrieben. Johannes Geiss ist ein Pionier in der Weltraumforschung, von bescheidener Persönlichkeit, immer bestrebt, internationale wissenschaftliche Zusammenarbeiten zu fördern und Ideen mit Kollegen zu teilen.

Das MPS wünscht Johannes Geiss alles Gute zum Geburtstag.

 
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