Saubere Verstärkung auf Zeit

Zwei mobile Reinräume bieten dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung zusätzlichen Platz, weitere Weltraummissionen vorzubereiten.

13. September 2011

Nach etwa achtstündigem Transport aus der Schweiz auf einem Tieflader und mehrtägigem Aufbau ist nun auch die zweite mobile Reinraumanlage am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Betrieb gegangen. Die beiden weißen Container von 60 und 90 Quadratmetern Grundfläche sollen in den nächsten Jahren bis zum Umzug des Instituts nach Göttingen die bestehenden Reinraumkapazitäten ergänzen. Nur so ist es dem Institut möglich, gleichzeitig vier Weltraummissionen eine ultra-saubere Arbeitsumgebung zu bieten.

Die Reinraumanlage, die Anfang Juli geliefert wurde, musste mit Hilfe des Krans vom Tieflader gehoben werden.

„Unser Bedarf an Reinräumen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen – parallel mit der Anzahl unserer aktuellen Beteiligungen an internationalen Weltraummissionen“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Christensen, Geschäftsführender Direktor des MPS. „Mittlerweile ist der Bedarf so groß, dass unsere bisherigen Reinräume nicht mehr genug Platz für alle notwendigen Arbeiten bieten.“ Zwar werde ab 2014 der Neubau des Instituts im rund 30 Kilometer entfernten Göttingen dieses Problem lösen. „Doch jede Weltraummission muss einen festen Zeitplan einhalten. Die Arbeiten lassen sich deshalb unmöglich bis zum Umzug aufschieben“, so Christensen.

Erst wenn die lange optische Bank im Reinraummodul installiert ist, kann das Dach geschlossen werden.

Derzeit benötigen die MPS-Wissenschaftler Reinraumflächen für vier Missionen. Die Weltraumkameras für die ESA-Mission Rosetta, die derzeit unterwegs ist zum Kometen Churyumov-Gerasimenko, und für die NASA-Mission Dawn, die seit wenigen Wochen den Asteroiden Vesta erforscht, sind zwar längst fertig gestellt. Doch die Zwillingsbrüder dieser Kameras, die am MPS verblieben sind, müssen im Reinraum für Tests zur Verfügung stehen. Zudem bereiten die Forscher derzeit zwei Sonnenmissionen vor: Sunrise, das riesige Sonnenteleskop am Helium-Ballon, soll im nächsten Jahr zu seinem zweiten Flug starten; für die ESA-Mission Solar Orbiter, die voraussichtlich 2017 startet, entwickelt das Institut vier Instrumente.

Mit Hilfe eines Krans werden die einzelnen Komponenten der Reinraumanlage zusammengefügt.

Dies bedeutet jede Menge Arbeit, die Wissenschaftler und Ingenieure nun auch in den mobilen Reinräumen erledigen können. Denn die weiß-glänzenden Reinraum-Module der Schweizer Firma SIT System Integration Technology AG stehen fest-installierten Anlagen in Nichts nach. Schleusen, optische Justiertische und eine garantierte Höchstanzahl verschmutzender Staubpartikel – all dies bieten auch diese Container. Dennoch handelt es sich um ein modulares und mobiles System: Die Anlagen wurden vor Ort in Katlenburg-Lindau aus Einzelkomponenten von etwa 3,5 x 7  Quadratmetern Größe zusammengefügt und zum Teil an die bestehenden Gebäude angebaut.

Während die erste der beiden Anlagen - in Module zerlegt - bereits Anfang Juli die etwa 600 Kilometer lange Reise aus der Schweiz nach Südniedersachsen antrat, ist nun auch die zweite, größere Anlage angekommen und war nach nur wenigen Tagen des Aufbaus und der Installation betriebsbereit.

Und natürlich bleiben die beiden Container eine Lösung auf Zeit. Denn nach dem Institutsumzug im Frühjahr 2014 werden die angemieteten Reinraumanlagen zurück in die Schweiz transportiert – um dann an einem anderen Einsatzort ihre Leistungsfähigkeit zu beweisen.

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