Namensvettern im All

Internationale Astronomische Union benennt zwei Asteroiden nach Dr. Guneshwar Thangjam und Dr. Thomas Platz vom MPS.

15. Mai 2017

Zwei Asteroiden tragen seit Kurzen die Namen von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS). Wie die Internationale Astronomische Union (IAU) bekannt gibt, laufen die beiden Asteroiden ab sofort unter der Bezeichnung (11806) Thangjam und (11808) Platz. Die IAU ehrt damit Dr. Guneshwar Thangjam und Dr. Thomas Platz für ihre Beiträge zur Asteroiden-Mission Dawn.

Bereits vor 36 Jahren wurden die beiden Asteroiden am Siding Spring Observatorium in Australien entdeckt – und zunächst unter den Namen 1981 EF14 und 1981 EM17 geführt. Diese eher schmucklosen Bezeichnungen folgen der typischen provisorischen Nomenklatur für neu gefundene Asteroiden: Während die erste Zahl das Entdeckungsjahr angibt, ist der zweite Namensteil ein Kürzel, das die Reihenfolge festhält, in der die Asteroiden im entsprechenden Jahr zum ersten Mal gesichtet wurden.

Für ihre Beiträge zur Asteroiden-Mission Dawn hat die International Astronomische Union zwei Asteroiden nach Dr. Guneshwar Thangjam (links) und Dr. Thomas Platz (rechts) vom MPS benannt. 

In den Folgejahren richteten vereinzelt Beobachtungskampagnen ihren Blick auch auf diese beiden Himmelskörper. Einige ihrer grundlegenden Eigenschaften sowie ihre genauen Umlaufbahnen um die Sonne sind heute deshalb bekannt. Erst dann vergibt die IAU Nummern für die Asteroiden. Später dann auch einen Namen, so wie jetzt geschehen. Nicht selten werden mit diesen Namen Forscher oder berühmte Persönlichkeiten geehrt; die vorangestellte Zahl im Namen enthält Informationen zur Reihenfolge des Abschlusses der sicheren Bahnbestimmung.

Wie die meisten Vertreter ihrer Art ziehen (11806) Thangjam und (11808) Platz ihre Bahnen im sogenannten Asteroidengürtel zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter. Während der Asteroid Thangjam 3,38 Jahre für einen Umlauf um die Sonne benötigt, braucht der Asteroid Platz dafür 4,08 Jahre. Beide Körper messen maximal etwa 30 Kilometer im Durchmesser, wobei sich Asteroid Thangjam etwas heller am Nachthimmel zeigen kann als der Asteroid Platz.

Deutlich umfangreicher ist die Datenlage nicht. Auch das ist typisch für die meisten der etwa  600000 bekannten Bewohner des Asteroidengürtels. Ausnahmen bilden der Asteroid Vesta und der Zwergplanet Ceres, die von 2011 bis 2013 und seit 2015 die Ziele der NASA-Mission Dawn waren und sind. Allein das Kamerasystem an Bord der Raumsonde, das am MPS entwickelt und gebaut wurde und von dort betrieben wird, konnte insgesamt90.000 Bilder beiden Körper aus großer Nähe aufnehmen. Diese auszuwerten ist das Forschungsfeld von Dr. Guneshwar Thangjam und Dr. Thomas Platz.

Thomas Platz ist seit zwei Jahren Mitglied des Dawn-Teams. Sein Forschungsinteresse gilt vor allem der reichaltigen Geologie des Zwergplaneten Ceres. So konnte der Forscher in seinen Analysen die Entwicklung des Occator-Kraters auf der Nordhalbkugel detailliert nachzeichnen. Die Verteilung von hellem, salzhaltigem Material in seinem Innern so wie das Alter der verschiedenen Oberflächen deuten darauf hin, dass der Krater einst Schauplatz kryovulkanischer Aktivität war: Eine salzhaltige Lösung muss dort bis in jüngste Zeit aus dem Innern aufgestiegen sein. Bei seiner Suche nach Wasser richtet der Forscher sein Augenmerk ebenfalls auf die Polregionen von Ceres. Dort fand er Krater, in deren dauerhaftem Schatten gefrorenes Wasser überdauert hat.

Thomas Platz hat an der Universität Greifswald Geologie und Palaeontologie studiert und an der Massey University in Neuseeland mit einer Doktorarbeit über Vulkanismus promoviert. Erst danach wendete er sich der Geologie fernerer Körper in unserem Sonnensystem zu. Nach Forschungsaufenthalten an der Freien Universität Berlin und dem Planetary Science Institute in den USA, forscht Platz seit 2015 am MPS.

Dr. Guneshwar Thangjam stammt aus Manipur, einem indischen Bundestaat im äußersten Nordosten des Landes an der Grenze zu Myanmar, und arbeitet seit 2012 am MPS. Grundlage seiner Doktorarbeit, die er 2015 abschloss, bilden die Kameradaten des Asteroiden Vesta. Da die FC Kamera mit sieben Farbfiltern ausgestattet ist, lässt sich das Licht, das Vesta ins All reflektiert, in einzelne Wellenlängenbereiche aufspalten. Diese enthalten Informationen über die mineralogische Zusammensetzung der Oberfläche – und somit Informationen, die dem bloßen Auge verborgen bleiben würden. Mit seinen Auswertungen konnte Thangjam dazu beitragen, die Geschichte und Evolution von Vesta zu entschlüsseln. So ließ sich etwa der Verlauf der Einschläge, der den riesigen Krater am Südpol der Vesta riss, rekonstruieren und nachweisen, dass das Mineral Olivin, das sich auf Vesta findet, durch Einschläge von außen eingetragen wurde. Seit der Ankunft der Raumsonde Dawn am Zwergplaneten Ceres spürt auch Thangjam dem Wasser in dessen Innern nach.

Guneshwar Thangjam hat zunächst am Guru Nanak Khalsa College in Indien Physik, Chemie und Mathematik studiert, danach an der Bundelkhand University in Indien den Master of Science in Geologie erreicht. Vor Beginn seiner Promotion an MPS und an der Universität von Clausthal arbeitete er unter anderem als Forscher bei der Indischen Raumfahrtbehörde (ISRO), wo er Daten der indischen Mondmission Chandrayaan-1 auswertete.

Diese Aufnahme des Asteroiden (11808) Platz gelang MPS-Forscher Dr. Joachim Ripken am 30. April dieses Jahres mit Hilfe eines australischen Teleskops. Der Asteroid ist der blasse Fleck in der Mitte des Bildes, der in den Aufnahmen nach links wandert.

In den nächsten Monaten wollen beide Forscher zusammen mit Kollegen vom MPS einen genaueren Blick auf „ihre“ Asteroiden werfen – wenn auch nicht als Forschungsprojekt, sondern eher aus privater Neugier. Dafür nutzen sie ein Teleskop in Australien, das sich über das Internet steuern lässt. Erste Aufnahmen des Asteroiden (11808) Platz sind auf diese Weise bereits entstanden. Der Asteroid (11806) Thangjam rückt erst im Dezember dieses Jahres ins Blickfeld der Teleskope. So bleiben noch einige Monate der Vorfreude - auf die Begegnung mit dem kosmischen Namensvetter.

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