Geflügelter Komet

Neue Aufnahmen des Kometen ISON deuten darauf hin, dass der Schweifstern in den vergangenen Tagen einzelne Bruchstücke verloren hat.

18. November 2013

Ein oder mehrere Bruchstücke könnten sich in den vergangenen Tagen vom Kern des Kometen ISON abgespalten haben. Darauf deuten zwei flügelartige Strukturen in der Gasumgebung des Kometen hin, die ein Team von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) und des Wendelstein-Observatoriums der Ludwig-Maximilians-Universität München in Aufnahmen vom Ende vergangener Woche sichtbar gemacht hat. Ein solches Ablösen einzelner Trümmer könnte möglicherweise den jüngsten Helligkeitsausbruch des Kometen erklären.

Auf seinem Weg in Richtung Sonne hatte Komet ISON in den vergangenen Wochen viele Hobbyastronomen enttäuscht: Der Helligkeit des Schweifsterns, der die Sonne am Donnerstag, 28. November, in einem Abstand von nur 1,8 Millionen Kilometern passieren wird, hatte nicht so stark zugenommen, wie zunächst erhofft. Ende vergangener Woche hatte nun die Strahlkraft von ISON sprunghaft zugenommen; gleich mehrere Beobachter vermeldeten einen starken Helligkeitsanstieg.

Auf seinem Weg in Richtung Sonne hatte Komet ISON in den vergangenen Wochen viele Hobbyastronomen enttäuscht: Der Helligkeit des Schweifsterns, der die Sonne am Donnerstag, 28. November, in einem Abstand von nur 1,8 Millionen Kilometern passieren wird, hatte nicht so stark zugenommen, wie zunächst erhofft. Ende vergangener Woche hatte nun die Strahlkraft von ISON sprunghaft zugenommen; gleich mehrere Beobachter vermeldeten einen starken Helligkeitsanstieg.

Einen möglichen Hinweis auf die Ursache des Ausbruchs liefern jetzt Bilder des Kometen, die Forscher des MPS und des Wendelstein-Observatoriums Ende vergangener Woche aufgenommen und jetzt ausgewertet haben. Sowohl am Donnerstag, 14. November 2013, als auch am Samstag, 16. November 2013, richteten sie ihr Teleskop auf den Schweifstern.

Die Auswertungen der Forscher zeigen zwei auffällige Strukturen in der Atmosphäre des Kometen, die flügelartig vom Kern ausgehen. Waren diese „Flügel“ am Donnerstag noch recht schwach, dominieren sie die zwei Tage später aufgenommenen Bilder deutlich. „Solche Strukturen treten typischerweise auf, nachdem sich einzelne Bruchstücke vom Kern eines Kometen abgelöst haben“, erklärt Dr. Hermann Böhnhardt vom MPS.

Ebenso wie der Kern des Kometen spucken auch seine Bruchstücke Gas und Staub ins All. Dort, wo sich die Emissionen des Kometen und der kleineren Brocken treffen, entsteht eine Art Trennschicht, die oft eine flügelartige Gestalt annimmt. Ob das Abspalten der Bruchstücke auch für den Helligkeitsanstieg der vergangenen Tage ursächlich ist, lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, so Böhnhardt. Bei anderen Kometen sei ein solcher Zusammenhang jedoch nachgewiesen worden.

Mit bloßem Auge sind die flügelartigen Strukturen in den Aufnahmen nicht erkennbar; erst numerische Verfahren fördern sie in bearbeiteten Bildern zu Tage. Dafür durchforsten die Forscher die Gasumgebung des Kometen am Computer nach Helligkeitsänderungen. Der gleichmäßig helle Hintergrund der Kometenatmosphäre wird herausgerechnet und kann so die schwachen Strukturen nicht mehr überstrahlen. „Unsere Rechnungen deuten darauf hin, dass sich nur ein Brocken abgelöst hat oder höchstens sehr wenige Trümmer freigesetzt wurden“, erklärt Böhnhardt.

Wie sich der Komet in den nächsten Wochen seiner Reise verhalten wird, ist noch unklar. „Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen jedoch, dass Kometen, die einmal Bruchstücke verloren haben, dazu tendieren, dies wieder zu tun“, so der Kometenforscher.

Zur Redakteursansicht