Max-Planck-Forscher beobachten Auswirkungen des Einschlags auf dem Kometen Tempel 1

Das Kamerasystem OSIRIS auf der Raumsonde ROSETTA misst dramatischen Helligkeitsanstieg

5. Juli 2005

Am 04. Juli um 7:52 mitteleuropäischer Sommerzeit schlug ein Kupfer-Projektil in den Kometen Tempel 1 ein, das von der NASA-Raumsonde Deep Impact zuvor abgefeuert wurde.

An der internationalen Kampagne zur Beobachtung der Folgen des Einschlags auf den Kometen nahm auch die ESA Raumsonde Rosetta teil, die gewissermaßen einen Logenplatz im Weltall besitzt. Im Gegensatz zu den Teleskopen auf der Erde, die den Kometen nur wenige Stunden im Blickfeld haben, konnte Rosetta rund um die Uhr kontinuierlich beobachten. Mehrere wissenschaftliche Geräte an Bord waren vor, während und nach dem Einschlag aktiv und lieferten wertvolle Daten.

Erste Ergebnisse der Rosetta-Kamera OSIRIS, die von einem Konsortium unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) entwickelt wurde, zeigen einen dramatischen Anstieg der Helligkeit des Kometen nach dem Einschlag des Projektils. Innerhalb einer halben Stunde wurde der Komet sieben Mal heller als vor dem Einschlag und blieb danach in seiner Helligkeit konstant (siehe Abb.).

Bild des Kometen Tempel 1, aufgenommen mit OSIRIS auf der Raumsonde Rosetta aus 80 Mio. km Entfernung. Das Bild zeigt die Helligkeit des Kometen in Falschfarben, um den Kontrast zu erhöhen
Helligkeit des Kometenkopfes 3 Minuten vor dem Einschlag sowie 2 Minuten danach. Die Helligkeit des Kometenkopfes (um den Kometenkern herum) ist innerhalb von 2 Minuten auf das 2.5-fache des Ausgangswertes angestiegen.

Erste Auswertungen der Wissenschaftler am MPS lassen den Schluss zu, dass der Einschlag eine Wolke aus feinen Staubteilchen erzeugt hat. Diese Wolke herausgeschlagenen Materials entfernt sich nun mehr und mehr vom Kometen. Das von den Staubteilchen reflektierte Licht konnte mit der OSIRIS-Kamera aufgenommen werden.

"Diese Bilder des Kometen Tempel 1 aus 80 Mio. km Entfernung zeigen sehr eindrucksvoll wie präzise die OSIRIS-Kamera aus dem MPI für Sonnensystemforschung funktioniert" sagt Dr. Horst Uwe Keller kurz nachdem die ersten Bilder in Katlenburg-Lindau eingetroffen waren. "Die Auswertung dieser Bilder ist ein weiteres Mosaiksteinchen zum Verständnis der Urmaterie in unserem Universum" sagt Dr. Michael Küppers vom MPS der zusammen mit Kollegen des OSIRIS-Teams aus Holland, Italien und Spanien die ersten Bilder analysiert.

Die Beobachtung des Kometen wird noch bis zum 14. Juli fortgesetzt. Man erhofft sich Aufschlüsse über die Struktur und Zusammensetzung von Kometen. ROSETTA wird seine Reise fortsetzen und im Jahre 2014 "ihren" Kometen erreichen. Dann werden Bilder des Kometenkerns aus wenigen Kilometern erwartet.

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