Angriff auf Tempel 1

Max-Planck-Forscher beobachten Beschuss des Kometen Tempel 1

June 29, 2005

Am 4. Juli 2005 um 8:52 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit wird die NASA-Raumsonde "Deep Impact" einen 370 Kilogramm schweren Kupferblock mit einer Geschwindigkeit von 37.100 Kilometer pro Stunde auf den Kometen 9P/Tempel 1 schießen. Die Kollision, die einer Explosion von etwa 4,5 Tonnen TNT-Sprengstoff entspricht, soll von der Raumsonde selbst, aber auch von vielen Stationen auf der Erde, vom Weltraumteleskop HUBBLE und der Raumsonde ROSETTA beobachtet werden. Dabei soll das beim Aufprall in den Weltraum hinaus geschleuderte Kometenmaterial spektroskopisch analysiert werden und erstmals Informationen über die elementare Zusammensetzung wie auch die Dichte eines Kometenkerns liefern.

Künstlerische Darstellung der Raumsonde "Deep Impact" in der Nähe des Kometen 9P/Tempel 1 am 4. Juli 2005

"Seit Monaten wird der Komet 9P/Tempel 1 bereits in einem gemeinsamen Programm mit spanischen Kollegen vom Astrophysikalischen Institut IAA in Grenada beobachtet", sagt Dr. Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau, der den Kometen-Beschuss von der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile aus verfolgen wird. "Die Bilder und Spektren zeigen die Staub- und Gaskoma des Kometen und erlauben eine genaue Beschreibung der Kometenaktivität bis zur Einschlagphase der Sonde. Wir sind sehr gespannt auf den Einschlag auf dem Kometen und die Tage danach und erwarten neue Erkenntnisse über Kometen als Urmaterie in unserem Sonnensystem", sagte Böhnhardt kurz vor seiner Abreise nach Südamerika. Die ESO ist eines von vielen Observatorien auf der Erde, die ihre Teleskope auf Komet 9P/Tempel 1 richten werden.

Der Komet 9P/Tempel 1 am 8. Juni 2005, aufgenommen vom deutsch-spanischen Observatorium Calar Alto bei Almeria, Spanien. Die Farbe gibt die Anzahl der Staubteilchen in der Koma des Kometen an. Der Kometenkern selbst bleibt durch den Staub verdeckt.

Auch mehrere Instrumente auf der Europäischen Raumsonde ROSETTA (gestartet am 2. März 2004) werden speziell für dieses Ereignis eingeschaltet. Dr. Horst Uwe Keller vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung wird mit Kollegen in Katlenburg-Lindau Bilder der OSIRIS-Kamera auswerten. Dr. Paul Hartogh hofft Aussagen über den Wassergehalt des herausgeschlagenen Kometenmaterials mit einem Mikrowellenspektrometer namens MIRO auf ROSETTA machen zu können. ROSETTA hat einen Logenplatz im All, denn die Raumsonde kann den Kometenkern aus 79 Millionen Kilometer Entfernung rund um die Uhr beobachten.

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