ERC Advanced Grant für Laurent Gizon

Das Projekt INSIDE wird neu entdeckte Sonnenschwingungen nutzen, um das verborgene Magnetfeld der Sonne aufzudecken und die Funktionsweise des Sonnendynamos zu ergründen.

23. Juni 2026

In Kürze: 

  • Auszeichnung: Der Europäische Forschungsrat (ERC) hat Prof. Dr. Laurent Gizon mit einem ERC Advanced Grant in Höhe von 2,5 Millionen Euro ausgezeichnet.
  • Magnetfeld der Sonne: Das auf fünf Jahre angelegte Projekt INSIDE zielt darauf ab, erstmals das Magnetfeld der Sonne tief unterhalb der sichtbaren Oberfläche zu messen.
  • Schwingungen: Das Projekt baut auf der Entdeckung von solaren Trägheitsmoden durch sein Team am MPS auf - einer neuen Klasse von Schwingungen, mit denen das tiefe Innere der Sonne untersucht werden kann.
  • Sonnendynamo: Es wird erwartet, dass die Ergebnisse unser Verständnis des Sonnendynamos revolutionieren - jenes Prozesses, der den Magnetzyklus der Sonne und die Sonnenaktivität antreibt.

Der Europäische Forschungsrat (ERC) hat Prof. Dr. Laurent Gizon vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) und von der Fakultät für Physik der Universität Göttingen einen seiner renommierten ERC Advanced Grants verliehen. In den nächsten fünf Jahren wird das Projekt INSIDE („Mapping Magnetic Fields in the Solar Interior“) mit 2,5 Millionen Euro gefördert. Es zielt darauf ab, eine der wichtigsten ungeklärten Fragen der Sonnenphysik zu beantworten: Wie sieht das Magnetfeld der Sonne unter ihrer Oberfläche aus?

Das Verständnis des Magnetfelds tief im Innern der Sonne ist eine der größten Herausforderungen der modernen Sonnenphysik. Wenn wir bestimmen können, wie Magnetfelder unter der Oberfläche entstehen und sich entwickeln, werden wir einen großen Schritt zum Verständnis des Sonnenzyklus und der magnetischen Aktivität in Sternen im Allgemeinen machen.
Laurent Gizon, MPS-Direktor und Leiter des ERC Advanced Grant-Projektes INSIDE

Das Magnetfeld der Sonne bestimmt eine Vielzahl von Phänomenen, von Sonnenflecken und Strahlungsausbrüchen bis hin zu koronalen Massenauswürfen, die technologische Infrastrukturen in der Nähe der Erde beeinträchtigen können. Obwohl Magnetfelder an der Sonnenoberfläche bereits seit mehr als einem Jahrhundert gemessen werden, entzieht sich das Magnetfeld tief im Inneren der Sonne - wo es entsteht und sich organisiert - bislang der direkten Beobachtung. INSIDE will dies ändern. Das Projekt wird eine kürzlich entdeckte Klasse von Sonnenschwingungen nutzen, die als Trägheitsmoden bekannt sind. Diese globalen Wellen reagieren besonders empfindlich auf die Bedingungen tief im Inneren der Konvektionszone der Sonne, wo der solare Dynamo wirkt. Durch die Kombination von Langzeitbeobachtungen, fortschrittlichen Modellen und numerischen Simulationen wird das Projekt einen neuen Ansatz zur Erforschung des Sonneninneren etablieren: die Helioseismologie der Trägheitsmoden.

Trägheitsmoden der Sonne haben ein neues Fenster zu unserem Stern geöffnet. INSIDE wird diese neu entdeckten Schwingungen nutzen, um Magnetfelder aufzudecken, die tief unter der Sonnenoberfläche verborgen sind.
Laurent Gizon, MPS-Direktor und Leiter des ERC Advanced Grant-Projekts INSIDE

Das Projekt baut auf einer Reihe von Durchbrüchen auf, die am MPS in den vergangenen zehn Jahren erzielt wurden, darunter die Entdeckung und Identifizierung solarer Trägheitsmoden. Diese Schwingungen bieten einen einzigartigen Einblick in Regionen, die für die in der Helioseismologie traditionell verwendeten Schallwellen unzugänglich sind.
Das oberste Ziel besteht darin, die ersten seismischen Messungen des inneren Magnetfelds der Sonne durchzuführen und zu ermitteln, wo Magnetfelder während des Sonnenzyklus erzeugt, gespeichert und transportiert werden.

Ein neues Fenster zum Solardynamo

Wissenschaftler wissen, dass das Magnetfeld der Sonne für ihren etwa elfjährigen Aktivitätszyklus verantwortlich ist, doch viele grundsätzliche Aspekte des zugrunde liegenden Dynamoprozesses sind nach wie vor kaum verstanden. Bisherige Beobachtungen zeigen Magnetfelder an der Oberfläche, liefern jedoch nur indirekte Informationen über die Bedingungen tief im Inneren der Sonne.

INSIDE wird Trägheitsmoden nutzen, um diese verborgenen Schichten zu untersuchen. Im Rahmen des Projekts werden neue Beobachtungsinstrumente, Vorwärtsmodelle und Inversionstechniken entwickelt, mit denen sich aus subtilen Veränderungen der Eigenschaften von Trägheitsmoden auf Messungen des inneren Magnetfelds schließen lassen. Die daraus resultierenden Beobachtungen sollen erstmals direkte Erkenntnisse darüber liefern, wo und wie die Sonne ihr großräumiges Magnetfeld erzeugt.

Über den Preisträger und den Preis

Prof. Dr. Laurent Gizon ist Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen und Professor an der Fakultät für Physik der Universität Göttingen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Helioseismologie, Sternphysik und der Dynamik des Sonneninneren. Er hat mehrere Methoden zur Erforschung der Struktur und der Strömungen im Inneren der Sonne entwickelt und maßgeblich zu bedeutenden Fortschritten bei der Untersuchung der Trägheitsmoden der Sonne beigetragen.

Dies ist Laurent Gizons dritte ERC-Förderung. Er erhielt 2007 einen ERC Starting Grant und später den ERC Synergy Grant WHOLESUN (2018–2026), ein Kooperationsprojekt mit Partnern in Frankreich, Norwegen, Griechenland und Spanien.

ERC Advanced Grants unterstützen etablierte Forscher mit einer anerkannten Erfolgsbilanz bedeutender wissenschaftlicher Leistungen. Mit Hilfe der Fördermittel in Höhe von bis zu 2,5 Millionen Euro über fünf Jahre können ambitionierte, risikoreiche und vielversprechende Forschungsprojekte durchgeführt werden. Die Förderung wird im Rahmen eines äußerst wettbewerbsintensiven, europaweiten Auswahlverfahrens vergeben, das vom Europäischen Forschungsrat durchgeführt wird.

Weitere interessante Beiträge

Zur Redakteursansicht