Prof. Dr. Rainer Schwenn

Am Freitag, dem 29. September verstarb nach längerer Krankheit unser Kollege und ehemaliger Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Prof. Dr. Rainer Schwenn. Rainer Schwenn gehörte zu den Pionieren der Weltraumforschung in Deutschland. Diesem Arbeitsgebiet hatte er sich schon als junger Physiker sprichwörtlich mit Haut und Haaren verschrieben. 1977 bewarb er sich bei der ESA als Astronaut auf SPACELAB-1 und kam bis in die Endauswahl unter nur fünf europäischen Kandidaten. In seiner dann anschließenden „bodengebundenen” Karriere hat er wie nur wenige andere Wissenschaftler sein Forschungsgebiet „Sonne und Heliosphäre” international geprägt.

Als er 1978 ans heutige Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung kam, das damals noch den Namen Max-Planck-Institut für Aeronomie trug, hat er zunächst intensiv an der Auswertung der Daten der HELIOS-Mission gearbeitet, eine der ersten wissenschaftlichen Weltraummissionen der Bundesrepublik. Die beiden HELIOS-Sonden beobachteten den Sonnenwind in einem Abstand zu Sonne, der bis heute von keiner anderen Raumsonde unterboten wurde. Mit seiner Auswertung der einzigartigen Messungen trug er maßgeblich zum Nachweis von Heliumteilchen und Stoßwellen im Sonnenwind bei und zur Entdeckung des „Strahls” in der Geschwindigkeitsverteilung der Sonnenwindelektronen. Als Mitherausgeber des „Physics of the Inner Heliosphere” wurde er zu einem international anerkannten Experten auf diesem Gebiet und habilitierte sich mit seinen Beiträgen zu dem zweibändigen Werk als außerplanmäßiger Professor an der Universität Göttingen.

Die neuen Erkenntnisse über den Sonnenwind ließen jedoch die wichtige Frage nach seiner Entstehung unbeantwortet. Sie sollte Rainer Schwenns Forschungsinteresse bis zum Ende seiner aktiven Arbeitszeit im Jahre 2006 beherrschen. In dieser Zeit hat er wichtige Weltraummissionen in der Sonnenforschung entscheidend mitgestaltet: die seit 1996 aktive SOHO-Mission der ESA und die STEREO-Mission der NASA, die 2006 gestartet wurde. Er engagierte sich besonders für die Beobachtung der Sonnenatmosphäre durch Koronographen und gründete und leitete eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema am MPS. Für seine einflussreichen Beiträge wurde er 2007 mit der Julius-Bartels-Medaille der EGU geehrt.

In seinen Vorträgen konnte er uns immer wieder mit seiner Begeisterung für neue Beobachtungen und Pläne mitreißen. Für eine weitere Mission, dem SOLAR ORBITER, setzte er sich über viele Jahre ein. Das Ziel dieser Raumsonde sollte die Beobachtung der Sonne aus einem noch dichteren Abstand sein, als ihn die HELIOS-Sonden erreichten. Mit anderen Mitarbeitern des MPS und anderer europäischer Forschungsinstitute konnte er die Pläne für dieses Vorhaben weit vorantreiben. SOLAR ORBITER wird 2019 gestartet werden. Rainer wird diesen Start nicht mehr miterleben. Sein Enthusiasmus, mit dem er uns wie kein zweiter bei dem Start einer neuen Mission ansteckte, wird uns fehlen.


 
loading content