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OSIRIS - das allsehende Auge von Rosetta

Rosetta-Komet: Staubfontänen in der Nacht

Auch nach Einbruch der Dunkelheit bleibt der  Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko aktiv und spuckt Staubfontänen ins All.

8. Juni 2015

Wenn die Nacht anbricht auf dem Rosetta-Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, bleibt der bizarr geformte Körper weiterhin aktiv. Das belegen neue Aufnahmen der Ma’at Region auf dem „Kopf“ des Kometen, die OSIRIS, das wissenschaftliche Kamerasystem an Bord der Raumsonde Rosetta, am 25. April dieses Jahres eingefangen hat. Sie entstanden etwa eine halbe Stunde, nachdem die Sonne über dieser Region untergegangen war, und zeigen mehrere klar unterscheidbare Staubfontänen, die ins All entweichen. Forscher des OSIRIS-Teams glauben, dass die zunehmende Erwärmung des Kometen für das neu beobachtete Phänomen verantwortlich ist.

In dieser Aufnahme des Rosetta-Kometen, die am 25. April 2015 aus einer Entfernung von etwa 93 Kilometern entstand, zeigen sich klar erkennbare Staubfontänen nach Einbruch der Dunkelheit. Bild vergrößern
In dieser Aufnahme des Rosetta-Kometen, die am 25. April 2015 aus einer Entfernung von etwa 93 Kilometern entstand, zeigen sich klar erkennbare Staubfontänen nach Einbruch der Dunkelheit. [weniger]

„Staubfontänen, die auch nach Sonnenuntergang weiter bestehen, beobachten wir erst seit Kurzem“, sagt OSIRIS-Teamleiter Holger Sierks vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen. In den vergangenen Monaten ging die Aktivität des Kometen von beleuchteten Flächen auf der Tagseite aus. Sobald es dunkelte, kamen die Fontänen zum Erliegen und erwachten erst nach Sonnenaufgang wieder zu neuem Leben. Eine Ausnahme bildet eine Aufnahme vom 12. März 2015, die das Einsetzen einer Staubfontäne während des Morgengrauens zeigt.

Die Fontänen, die nun auch nach Sonnenuntergang auftreten, sind nach Ansicht der OSIRIS-Wissenschaftler ein weiteres Zeichen für die zunehmende Aktivität des Kometen. „Derzeit nähert sich 67P rasch seinem sonnennächsten Punkt, den er bereits Mitte August erreicht“, so Sierks. Zum Zeitpunkt der Aufnahme trennten nur noch etwa 270 Millionen Kilometer Sonne und Komet. „Die Sonneneinstrahlung wird immer intensiver, die beleuchtete Oberfläche immer wärmer“, fügt Sierks hinzu.

Detailaufnahme der Staubfontänen. Bild vergrößern
Detailaufnahme der Staubfontänen.

Erste Modellrechnungen deuten darauf hin, dass der Komet unter seiner Oberfläche diese Wärme für einige Zeit speichern kann. „Während der oberflächliche Staub nach Sonnenuntergang rasch abkühlt, bleiben tiefer liegende Schichten länger warm“, erklärt OSIRIS-Wissenschaftlerin Xian Shi vom MPS, die die nächtlichen Fontänen untersucht. Dort vermuten Rosetta-Wissenschaftler den Vorrat an gefrorenen Gasen, der die Aktivität des Kometen speist.

Bereits ältere Kometenmissionen wie Stardust zum Kometen 81P/Wild 2 und Deep Impact zum Kometen 9P/Tempel 1 hatten Hinweise auf Fontänen geliefert, die auf der Nachtseite entstehen. „Doch erst die hochaufgelösten Bilder von OSIRIS erlauben es uns nun, dieses Phänomen detailliert zu studieren“, so Sierks.

Rosetta ist eine Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA mit Beiträgen der Mitgliedsstaaten und der amerikanischen Weltraumagentur NASA. Rosettas Landeeinheit Philae wurde von einem Konsortium unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) und der französischen und italienischen Weltraumagentur (CNES und ASI) zur Verfügung gestellt. Rosetta ist die erste Mission in der Geschichte, die einen Kometen anfliegt, ihn auf seinem Weg um die Sonne begleitet und eine Landeeinheit auf seiner Oberfläche absetzt.

Das wissenschaftliche Kamerasystem OSIRIS wurde von einem Konsortium unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Zusammenarbeit mit CISAS, Universität Padova (Italien), Laboratoire d'Astrophysique de Marseille (Frankreich), Instituto de Astrofísica de Andalucia, CSIC (Spanien), Scientific Support Office der ESA (Niederlande), Instituto Nacional de Técnica Aeroespacial (Spanien), Universidad Politéchnica de Madrid (Spanien), Department of Physics and Astronomy of Uppsala University (Schweden) und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze der TU Braunschweig gebaut. OSIRIS wurde finanziell unterstützt von den Weltraumagenturen Deutschlands (DLR), Frankreichs (CNES), Italiens (ASI), Spaniens (MEC) und Schwedens (SNSB).


 
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