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Rosetta-Komet spuckt Staubfontänen

OSIRIS-Bilder des Rosetta-Kometen zeigen eindrucksvolle Staubfontänen, die ins Weltall entweichen.   

23. Oktober 2014

Die Aktivität des Rosetta-Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko beginnt deutlich zuzunehmen. Der Staub, den der Komet in den vergangenen Monaten ins All emittierte, stammte zu einem Großteil von der Halsregion, welche die beiden Teile des Kometen verbindet. Neue Bilder von 67P, die mit Hilfe des wissenschaftlichen Kamerasystems OSIRIS an Bord der ESA-Raumsonde aufgenommen wurden, zeigen nun, dass Fontänen aus Staub auch an anderen Stellen an der Oberfläche auftreten.

Zwei Ansichten derselben Region auf dem &bdquo;Hals&ldquo; des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Das rechte Bild wurde mit einer Belichtungszeit von weniger als einer Sekunde aufgenommen. Das linke Bild wurde &uuml;berbelichtet (Belichtungszeit: 18,45 Sekunden), so dass&nbsp; Oberfl&auml;chenstrukturen nicht voll zur Geltung kommen. Stattdessen werden Font&auml;nen aus Staub, welche die Oberfl&auml;che verlassen, sichtbar. Die Bilder wurden mit Hilfe der Weitwinkelkamera von OSIRIS, dem wissenschaftlichen Kamerasystem an Bord von Rosetta, am 20. Oktober 2014 aus einer Entfernung von 7,2 Kilometern aufgenommen. <br /><br /> Bild vergrößern
Zwei Ansichten derselben Region auf dem „Hals“ des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Das rechte Bild wurde mit einer Belichtungszeit von weniger als einer Sekunde aufgenommen. Das linke Bild wurde überbelichtet (Belichtungszeit: 18,45 Sekunden), so dass  Oberflächenstrukturen nicht voll zur Geltung kommen. Stattdessen werden Fontänen aus Staub, welche die Oberfläche verlassen, sichtbar. Die Bilder wurden mit Hilfe der Weitwinkelkamera von OSIRIS, dem wissenschaftlichen Kamerasystem an Bord von Rosetta, am 20. Oktober 2014 aus einer Entfernung von 7,2 Kilometern aufgenommen.

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„Wir glauben, dass zum jetzigen Zeitpunkt ein großer Teil der beleuchteten Oberfläche des Kometen einen gewissen von Grad von Aktivität zeigt“, sagt OSIRIS-Wissenschaftler Jean-Baptiste Vincent vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen. In den vergangenen Wochen konnte das OSIRIS-Team eine langsame, aber qualitative Veränderung beobachten. „Bereits im Sommer zeigten erste Bilder ausgeprägte Staubfontänen, welche die Kometenoberfläche verließen“, so Holger Sierks vom MPS, Leiter des OSIRIS-Teams. „Diese Fontänen beschränkten sich jedoch auf die Halsregion. Mittlerweile treten sie aber auch am „Körper“ und „Kopf“ des Kometen auf“, ergänzt der Wissenschaftler.  

Derzeit trennen 67P noch mehr als 450 Millionen Kilometer von der Sonne. Basierend auf erdgebundenen Beobachtungen erwarten Forscher in der Regel, dass die Aktivität eines Kometen erst dann merklich zunimmt, wenn er sich der Sonne auf etwa 300 Millionen Kilometer angenähert hat. „Erstmals verfolgen wir die Staubemissionen ganz aus der Nähe“, so Sierks. Die Wissenschaftler hoffen, dass die OSIRIS-Aufnahmen helfen werden zu verstehen, wie sich Kometenaktivität entwickelt und welche physikalischen Prozesse dabei eine Rolle spielen.

Dieses Bild, das mit Hilfe der OSIRIS-Kamera am 10. September 2014 aufgenommen wurde, zeigt Staubfont&auml;nen an mehreren Stellen der Kometenoberfl&auml;che. &nbsp;<br /><br /> Bild vergrößern
Dieses Bild, das mit Hilfe der OSIRIS-Kamera am 10. September 2014 aufgenommen wurde, zeigt Staubfontänen an mehreren Stellen der Kometenoberfläche.  

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Da der vergleichsweise helle Kometenkern die Staubfontänen unter normalen Bedingungen überstrahlen würde, mussten die aktuellen Aufnahmen deutlich überbelichtet werden. „Zudem kann uns ein einzelnes Bild nur sehr wenig verraten“, so Sierks. „Wir können daraus nicht schließen, genau an welcher Stelle an der Oberfläche eine Fontäne seinen Ursprung nimmt.“ Stattdessen vergleichen die Forscher Bilder derselben Region, die aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurden. Auf diese Weise lässt sich dann die dreidimensionale Struktur der Fontänen rekonstruieren.

Während die gesamte Aktivität von 67P zunimmt, erscheint die ausgewählte Landestelle der Mission auf dem „Kopf“ des Kometen noch recht ruhig zu sein. Allerdings gibt es Hinweise, dass dort in einer Entfernung von etwa einem Kilometer derzeit neue aktive Regionen erwachen. Dies würde es den Instrumenten der Landeeinheit Philae ermöglichen, die Aktivität des Kometen aus noch geringerer Entfernung zu untersuchen. 

Rosetta ist eine Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA mit Beiträgen der Mitgliedsstaaten und der amerikanischen Weltraumagentur NASA. Rosettas Landeeinheit Philae wurde von einem Konsortium unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) und der französischen und italienischen Weltraumagentur (CNES und ASI) zur Verfügung gestellt. Rosetta wird die erste Mission in der Geschichte sein, die einen Kometen anfliegt, ihn auf seinem Weg um die Sonne begleitet und eine Landeeinheit auf seiner Oberfläche absetzt.

Das wissenschaftliche Kamerasystem OSIRIS wurde von einem Konsortium unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Zusammenarbeit mit CISAS, Universität Padova (Italien), Laboratoire d'Astrophysique de Marseille (Frankreich), Instituto de Astrofísica de Andalucia, CSIC (Spanien), Scientific Support Office der ESA (Niederlande), Instituto Nacional de Técnica Aeroespacial (Spanien), Universidad Politéchnica de Madrid (Spanien), Department of Physics and Astronomy of Uppsala University (Schweden) und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze der TU Braunschweig gebaut. OSIRIS wurde finanziell unterstützt von den Weltraumagenturen Deutschlands (DLR), Frankreichs (CNES), Italiens (ASI), Spaniens (MEC) und Schwedens (SNSB).

 
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